Hitzeschlacht auf schlüpfrigem Geläuf in Brünn (19.-20.6.21) | Saisonaus für Paul Kock (T-Challenge) und Kim Süßlin (T-Cup 765), beide zogen sich Schlüsselbeinbrüche zu | Wochenende der Doppelpacks: Uli Bonsels (T-Cup 765), Uwe Kantimm (T-Cup 675) und Stefan Österle (T-Challenge) dominieren ihre Klassen und bliebe vor allem eines: sitzen | Brünn fällt aus dem T-Series-Kalender 2022: Zustand der Strecke ist einfach indiskutabel |

Schon der Start in Brünn-Wochenende, Halbzeit der T-Series-Saison 2021, gestaltete sich für fast alle Beteiligten traditionell zäh. Unzählige und teils abenteuerlich organisierte Baustellen säumen die Autobahn ab Prag, die unweigerlich Staus verursachen.

Auch das mag der Grund gewesen sein, warum eine ganze Fraktion der T-Series sich die Strapazen des Brünn-Abenteuers von vornherein gespart hatte. Oder war es das leidige Thema Grip. Schon beim letzten Gastspiel 2019 Thema Nummer 1. So auch 2021.

Paul Kuhn, Meisterschaftsmitfavorit, Runner-Up der Saison 2021 mit stark verbesserter Form, ging bereits im freien Training am Freitag zu Boden. In seinem ersten Turn. In der zweiten Runde. Ok, Paul is on fire. Da passte es in diesem Jahr bisher prima. Klar sollte sowas beim Einrollen nicht passieren. Ist es aber. Für unseren Helden komplett unerklärlich. Völlig konsterniert und mit glasigen Augen (Schmerzmittel!) erklärte er im ersten Furor sogar seinen Rücktritt. Nach Blitztransfer zurück nach Deutschland und erfolgreicher OP des Schlüsselbeins hörte sich die neuerlichen Wortmeldungen dann schon wieder versöhnlicher an.

Paul war beileibe nicht der Einzige, der zu Boden ging. Daniel Weisweiler tat es Paul gleich, zog sich eine seitliche Ganzkörperprellung zu, schimpfte hernach wie ein Rohrspatz und setzte sein Potenzial danach leider nicht mehr in verwertbare Rundenzeiten um. Bloss noch sitzenbleiben und heil nach Hause, lautete das Moto der rheinischen Frohnatur.

Rennen 1 verlief dann bilderbüchlich mit tadelloser Startaufstellung, einer saubere Startphase und Fotofinish zwischen den T-Challengern Stefan Österle und Polesetter Henrik Müller. Mit Happy End für den Schwarzwälder Österle. Musste mal fahren, so ein Rennen. Gegen einen IDM-Supersport-Rückkehrer, der mit allen Wassern gewaschen ist. Der im nächsten Jahr den Sprung in die Supersport der BSB auf dem Plan hat. Und der einige Kilo Muskelmasse weniger drauf hat. Auf einer Strecke, auf der Neben Grip vor allem die Leistung zählt.

Ganz klar, die beiden T-Challenge-Burschen heben das Niveau in den T-Series auf ein neues Niveau, allen Unkenrufen von außen zum Trotz. Gut so!

Das attestiert auch der schnellste Mann im T-Cup 765, Uli Bonsels. Der heftigen Pace des T-Challenge-Stummellenker-Fraktion vermag er mit dem hohen Serien-Lenker der Triumph Street Triple 765 RS nicht zu folgen. Macht nix. Der Routinier findet auch dahinter seinen Rhythmus und dann und wann auch seinen Lieblingsspielkameraden Daniel Arnold. Für Uli lief Brünn maximal gut: zwei Klassensiege, 50 Punkte, souveräne Meisterschaftsführung. Was willste mehr?

Noch ein Altmeister, Uwe Kantimm, räumte ebenfalls 50 Punkte für einen Doppelsieg in der T-Cup 675er-Division ab. Uwe, in der Form seinen Lebens, dreht mit der um 110 PS starken 675er 2.18er-Rundenzeiten. Auch das musste erstmal machen.

Wegen tropischer Luft- und Asphalttemperaturen warn Top-Zeiten im zweiten Rennen nicht mehr möglich. An der Spitze tobten die beiden neuen besten Freunde Stefan Österle und Henrik Müller, dahinter sortierten sich die üblichen Verdächtigen. Ärgerlich, dass Kim Süßlin sich bei seinem Sturz ebenfalls am Schlüsselbein verletzte. Herzschlagfinale zu guter Letzt. Herr Österle überholte Kollegen Müller in der letzten Runde und hielt den Vorsprung bis ins Ziel. Hinterher diskutierten die beiden intensiv eben diese entscheidende Manöver.

Und der Rest des dezimierten Feldes diskutierte, wie es mit Brünn weitergehen kann.

Gar nicht. Da hätte der Eigentümer mal lieber zuerst in neuen Asphalt investiert, statt ein piekfeines Hotel im Fahrerlager zu bauen. Neuer Asphalt, neue Duschen, neue Toiletten. Dann besuchen wir unsere alte Liebe gerne wieder. Vorher fahren wir woanders hin. Aktuell wieder eine Strecke weniger auf unserer Liste für 2022. Schade.

Die Meisterschaftsstände findet Ihr diesmal hier.

Bereits am 3. und 4.7. geht es auf dem Hockenheimring weiter mit der wilden Fahrt. Der GP-Kurs steht auf dem Programm. Auch den gilt es zu diskutieren.

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