Catch me if you can

Alfons Brandl und Uli Bonsels sind nicht zu stoppen und holen beim zweiten von fünf Rennwochenenden der Triumph-Challenge bzw. des Triumph Street Triple-Cups am Lausitzring mit je zwei Laufsiegen die maximale Punkteausbeute.

Der Lausitzring, noch immer ein asphaltierter Rübenacker. Ist übrigens die Lieblingsstrecke von Benny Wilbers, seines Zeichens erfolgreicher Fahrwerkhersteller. Aber der fährt ja auch keine Rennen mehr, der Benny. Der lässt fahren. T-Cup-Topkraft Uli Bonsels (links, ganz vorn) liebt diese Strecke auch. Andere eher nicht. Der Autor dieser Zeilen meint, dass die DEKRA ruhig mal Geld für eine Sanierung des Asphalts in die Hand nehmen könnte. Dann bitte auch gleich mit einer richtigen Drainage, die wurde beim ersten Mal Anfang des Milleniums vergessen. Dann klappt es auch bei Regen. Wäre im Übrigen auch wieder etwas mehr guter Wille in Richtung Motorradrennsport. Da ist ja kommunikativ Ende 2017 so Einiges ins Kraut geschossen. Foto: trackriders.eu
Da war die Welt noch komplett in Ordnung für den Alfons Brandl. Er führt das Feld in Rennen 1 gleich nach Start an, der alte Hund. Leider hat sich zu diesem Zeitpunkt im hinteren Drittel schon ein Unfall abgespielt, der zum Rennabbruch und Neustart am späteren Nachmittag führen wird. Foto: trackriders.eu

Dieses Bauchgefühl, wenn alles passt, wenn alle Dinge perfekt für einen funktionieren, dieses Gefühl möchte jeder Hobbyrennfahrer wenigstens einmal in seiner Karriere spüren. Mit sich und der Welt im Einklang stehen, die perfekte Runde, das raffinierte Ausbremsmanöver, das entscheidenden, trickreiche Manöver in der letzten Runde, das den verdienten Sieg beschert. Von diesem Gefühl können sowohl T-Cup-Routinier Uli Bonsels, wie auch Alfons Brandl jede Menge berichten nach ihrer ganz persönlichen Lausitzring-Extravaganza.

Denn das erste Juni-Wochenende des Jahres werden diese beiden Herren nicht so schnell vergessen. Natürlich sind die langjährigen Karrieren beider Fahrer gespickt mit diesen vielzitierten Highlights, dennoch hat dieses Lausitzring-Wochenende beinahe etwas Magisches. Ok, kleiner Einschub, natürlich nicht für alle Teilnehmer der europäischen Hobbyrennserie für Triumph-Fans. Markus Geuthner, in Most souverän zur Tabellenführung gefahren, musste am Lausitzring schon nach dem freien Training am Freitag notgedrungen die Segel streichen: Getriebeprobleme. Dennoch ließ er sich nicht nehmen samt Team, bestehend aus der Frau Mama und dem Herrn Vater zum traditionellen Meet & Greet der Triumph-Familiy am Freitagabend zu erscheinen. Erst Samstagmorgen reisten die Geuthners erhobenen Hauptes nach Thüringen zurück, um die Daytona schnellstmöglich für das nächste Rennwochenende auf der GP-Strecke in Brünn (22.-23. Juni) auf Vordermann zu bringen.

Und hier haben wir quasi nochmals die Return-Taste gedrückt. Gleich drei Fahrer sind im Startgetümmel zu Boden gegangen. Für Axel Berchtold und Mika von Stöckelburg endete das Wochenende vorzeitig und leider mit OP-Terminen. Gute Besserung Euch zwei! Foto: trackriders.eu

Dort wartet eine echte Aufgabe auf den hochaufgeschossene Geuthner. Der Lange hat immerhin 29 Punkte Rückstand auf Alfons Brandl, der zum Saisonstart in Most eher dezent unterwegs war, nun aber ganz offensichtlich den Umstieg von der Triumph Street Triple auf die Daytona 675 R ganz prima hinbekommen hat. Gleiches gilt für den Ostholsteiner Michael Märksch, der ebenfalls die die T-Challenge gewechselt ist. Auch er kommt immer besser in Schwung. Brünn wird ihm zwecks seines runden und schrägen Fahrstils ganz prima liegen. Nicht zu vergessen den dritten im schnellen Bunde: Martin Exner. Der schnelle Franke kommt trotz aktueller Rückenprobleme, denen sein eigenwillig breitschultriger Fahrstil geschuldet ist, ebenfalls immer besser in Schuss und zeigte am Lausitzring eine klar aufsteigende Formkurve. Markus Geuthner muss sich also strecken, wenn er in Brünn zu einer erfolgreichen Aufholjagd ansetzen möchte. Die Konkurrenz schläft bekanntlich nicht.

Das Duell des Wochenendes: Uli Bonsels führt vor Alfons Brandl, den jeder im Fahrerlager gut leiden kann. Nur kaum wer versteht den Ur-Bayern. Nicht mal andere Bayern, by the way… Echt wahr! Foto: trackriders.eu

Für den Triumph Street Triple-Cup, der sich mit der T-Challenge die Rennstrecke brüderlich teilt, gilt das ebenfalls. Im Normalfall. Dieses Jahr allerdings läuft der Weg zum Titel nur über einen Mann: Uli Bonsels, im Vorjahr in seinem Tun durch eine Verletzung der Achillessehne noch in seinem Streben nach Meisterehren eingebremst. Selbst schnelle und ernstzunehmende Gegner wie Hajo Ammermann oder der amtierende T-Cup-Meister Rolf Krassmann konstatieren respektvoll, dass Bonsels aka. Mister T-Cup derzeit in seiner eigenen Welt fährt und sich deshalb Spielkameraden in der nominell etwas schnelleren T-Challenge sucht, wie etwa Alfons Brandl auf seiner Daytona 675 R, mit dem sich Bonsels zwei wunderschöne Rennen lang aufs Vortrefflichste bekämpfte. Ein wundervoller Systemvergleich Hochlenker vs. Stummel, ein Duell, das durchaus auf Augenhöhe abläuft. Gleichzeitig Beleg dafür, auf welch hohem Level die aktuelle Triumph Street Triple 765 RS spielt. Etwas ins Hintertreffen geraten sind ganz offensichtlich auch deshalb die 675er-Street Triple, von denen aktuell nur noch zwei Exemplare das Feld bereichern: Uwe Kantimm und Alwin Heiberger halten die 675er-Flagge stolz in die Höhe.

Die schnellste Drillings-Family der Welt. Ein zufälliger Schnappschuss in der Boxengasse, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Foto: Michael Flügel

Karsten Bartschat und Matthias Schröter, die Organisatoren der beiden Serien, sind über die geringe Anzahl von 675er einigermaßen verwundert. Schließlich ist die kleine Streety noch immer ein tolles und konkurrenzfähiges Motorrad, dass es für vergleichsweise kleines Geld gebraucht zu kaufen gibt. Die vorgeschriebenen Umbaumaßnahmen für den T-Cup halten sich in überschaubaren Grenzen: Die LSL-Teile und Bodis-Endschalldämpfer anzubauen sollte auch Nachwuchsmechaniker nicht vor Rätsel stellen. Und schon kann es losgehen in einem wirklich ambitionierten Hobbyracing-Feld, das seine Teilnehmer allesamt sportlich besser macht und im Fahrerlager ebenfalls seines Gleichen sucht in Sachen Kameradschaft und Zusammenhalt anbetrifft. Die T-Family-Mantra lautet nicht umsonst: Hart, aber fair auf der Rennstrecke, Fairplay und feinster Sportsmanship im Fahrerlager.

Großer Mann, kleine Daytona. Markus Geuthner hatte das Pech am Hacken kleben und musste schon am Freitag die Segel zwecks technischer Probleme streichen. In Brünn wird der Sonnyboy aus Thüringen wieder angreifen. Foto: Michael Flügel
So funktioniert ein perfekter Start. Von und mit Marc Jürgens, Newcomer im T-Cup. Mit diesem fein gemachtem Video hat der junge Mann mächtig Punkte geholt in der Triple-T-Racing-Media-Wertung. Video: Marc Jürgens

Keine hohle Phrase, sondern auch und gerade am Lausitzring gelebte Praxis. Beispiel gefällig? Hagen Sieling (T-Challenge) und Christian Thoma (T-Cup) wollten zwecks technischer Probleme schon nach dem freien Training am Freitag die Flinten ins vielzitierte Korn werfen, konnten dank der tollen Unterstützung aus der T-Family wider Erwarten dann doch in das Renngeschehen eingreifen. Allerdings mit wechselndem Erfolg.

Die Jugendgruppe der T-Challenge 2019 von links: DJ Kipfi mit Basecap, Lady van Stoeckelburg und MC Tobse „The Hammer“. Foto: MC Flue aka. Michael Flügel

Denn leider ging im ersten Rennen des Wochenendes nicht alles glatt. Im Startgetümmel der trickreichen ersten Linkskurve verbremste sich T-Challenger Axel Berchtold und berührte die Kollegin Mika von Stöckelsburg. Beide mussten zu Boden. Christian Thoma solidarisierte sich ebenfalls und kam mit Leihmotorrad, gestellt von Rolf Krassmann, ebenfalls zu Sturz. Während Thoma mit dem Schrecken davon kam, erlitten Berchtold und von Stöckelsburg beide Schulter- bzw. Schlüsselbeinverletzungen, die Operationen nach sich ziehen werden. Gute Besserung von dieser Stelle aus. Axel Berchtold war untröstlich zwecks der Tatsache, dass sein Verbremser solche Folge nach sich zog. Fräulein von Stöckelsburg hingegen sah die ganze Geschichte als normalen Rennunfall. „Da ich hätte ich ja beispielsweise alternativ auch vom Fahrrad oder Pferd fallen können“, fasste sie die Geschichte pfurztrocken zusammen. Jede Wette, dass man die beiden schnellstmöglich wieder auf der Rennstrecke sehen wird.

Ein absolutes Traumpaar: Technik-Marketender Stecki und unser Fahrwerksmann Lars Sänger von Motorradkte (was dann auch die Yamaha-Bekleidung erklärt) Foto: Michael Flügel
Der größte T-Cupper aller Zeiten: Hajo Ammermann aus Nordstemmen, ein wahres Bewegungswunder auf der eigentlich gar nicht so zierlichen Triumph Street Triple 765 RS Foto: trackriders.eu

Großes Lob auch an Rennveranstalter Maxx-Moto UG, der aus dem bekannten Bike Promotion-Umfeld hervorgegangen ist. Dank eines flexiblen Zeitplans offerierte Maxx-Moto-Chef Michael Dangrieß das abgebrochene erste Rennen des Sonntags ab 17.00 Uhr nachzuholen. Dieser Lauf verlief problemlos mit erwähntem feinem Fight an der Spitze und vielen glücklichen Gesichtern bei der Siegerehrung.

Und da sage noch wer, dass im T-Cup respektive der T-Challege nur alte Männer am Gaskabel ziehen. Nein, nein, meine Damen und Herren. Mika von Stöckelsburg vor ihrem unverschuldeten Sturz und noch ohne kaputtes Schlüsselbein. Gute Besserung, Mika! Foto: Michael Flügel

So, und wie geht es jetzt weiter in der Saison 2019? Stilecht auf der wundervollen GP-Strecke in Brünn am 22./23. Juni. Endlich mal wieder im Jahreskalender der Triumph-Rennserien. Die Berg- und Talbahn verspricht unheimlich viel Fahrspaß. Ein toller Ausgleich wie die zumeist weite Anreise, die allen Teilnehmer Nehmerqualität abverlangt.

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